Tagebuch Russland 2012


29. August 2012 – Ausreise Russland & zurück in der EU


Entgegen aller Horror-Prophezeiungen konnten wir so problemlos nach Russland einreisen, dass wir nun neugierig waren, wie wir wieder raus kommen.
Wird uns der russische Zoll das Auto auseinander nehmen? Und was werden die Europäer sagen, wenn wir mit deutschem Pass aber australischem Auto ankommen?

Eine Stunde nach Erreichen der Grenze wussten wir mehr.


Die durchweg weiblichen russischen Grenzbeamten hatten leider mit Liedschatten und Lipgloss mehr Erfahrung als mit der Abfertigung von Reisenden, die zur Abwechslung mal nicht Russen oder Finnen waren. Entsprechend genervt gaben sie sich und fühlten sich mit uns so überfordert, dass sie uns erst weg schicken wollten.
Doch Nico konnte sie überzeugen, dass wir keine 100 km an den nächsten Grenzübergang fahren wollen. Wahrscheinlich hat er den Farbton des Lidschattens gelobt, der so gut zur Uniform passt oder sowas. Ich hab jedenfalls im Auto gewartet, während die Zollweiber unser Auto durchs Papierkram-Prozedere gewurschtelt haben und die Schlange hinter uns in dieser Zeit immer länger wurde. Die Püppi an der Passkontrolle war so unsicher, dass sie einen männlichen Kollegen ranzitierte, der Nicos ausgeleierten Pass prüfen musste. Die Russen wurden unterdessen immer ungeduldiger, so dass die Mädels an der Auto-Abfertigung am Ende ganz vergessen haben, überhaupt mal in unser Auto zu schauen. Alle anderen mussten immerhin die Kofferraumklappen öffnen und die Inhalte wurden eines halbherzigen Blickes gewürdigt. Doch bei uns, gar nix und schwupp, waren wir bei den Finnen.

 

Oberfreundliche, perfekt englisch sprechende Zoll-Jungs hießen uns in Finnland willkommen und wollten natürlich wissen, woher der ganze Dreck kommt, der sich über Tausende Kilometer an unserem Auto angesammelt hat. Aber Einfuhr, Verzollung oder sonstwas für das australische Auto? – Nööö….viel Spaß und gute Weiterfahrt in Finnland!

 

Und für alle, die sich jetzt fragen, seit wann Finnland auf dem direkten Weg von Shanghai nach Berlin liegt: Nach all den Wartezeiten und Umwegen auf der Reise haben wir es auf den letzten Metern auch nicht mehr so eilig, wieder in den deutschen Alltag zu kommen. Da sind wir der Einladung vom Tigerbus und VW-Syncro-Club nach Helsinki gern gefolgt.

28. August 2012 – noch etwas Zeit für St. Petersburg & Ladogasee


Wir haben die ewigen Strecken in diesem weiten Land ohne Pannen und Probleme zurückgelegt, so dass wir am Ende noch etwas Zeit in unserem ach so hart erkämpften Russland-Visum übrig hatten und diese auch nutzen wollten. Mal abgesehen davon, dass wir es mit Annäherung an Europa immer weniger eilig haben, uns so bald wieder in den deutschen Alltag einzugliedern. Also erstmal ab nach St. Petersburg und von da aus könnte man gleich nochmal an den Ladogasee fahren und wenn wir schon bis da oben sind ….. na mal sehen!

 

Wenn Moskau pompös und überkandidelt ist, dann ist St. Petersburg einfach prunkvoll und elegant. Mit Nicos altem Job-Kollegen Leonid hatten wir auch noch einen tollen persönlichen Stadtführer dabei. Zusammen haben wir einen langen Stadtspaziergang gemacht und die kulturelle bzw. historische Seite St. Petersburgs ein bisschen kennengelernt, um am Ende in ner Kneipe zu landen, die genau so gut in Berlin Friedrichshain hätte sein können, sehr urig und irgendwie vertraut.

Ortschaft am Ladogasee
Ortschaft am Ladogasee

Nach so vielen Städten zog es uns doch nochmal in die russischen Wälder und kleinen Blockhütten-Ortschaften am Ladogasee. Hier hatten wir unser letztes wunderschönes russisches See-Camp inklusive frischen Heidelbeeren und unser Auto hatte auch noch ein bisschen seinen Spaß im russischen Matsch.

St. Petersburg und die verschlafenen Waldsiedlungen am Ladogasee waren der beste Abschluss für unsere Russland-Reise, den wir hätten haben können.

 

Na dann, Doswidanja und ab in die EU wo wir seit ca. 1,5 Jahren nicht mehr waren.

ich in Moskau
ich in Moskau

25. August 2012 – MOCKBA                                                (Bilder Moskau)


Irgendetwas passt nicht so richtig an diesem Samstag Nachmittag im aufpolierten Moskau. Vor dem Kempinski parkt ein verdreckter und von oben bis unten in Matschspritzern bedeckter LandCruiser. Und der Schuhputzer im noblen GUM-Einkaufszentrum schüttelt nur lachend den Kopf, nachdem er uns von oben bis unten gemustert hat und feststellt, dass wir wohl nicht in seinem Ledersessel Platz nehmen werden. Für eine Schuhpolitur ist es zu spät, wir bräuchten dafür schon fast einen Spachtel und eigentlich müssten unsere kompletten Sachen mal wieder gewaschen werden, ganz zu schweigen von uns.
Aber von Anfang an.

 

Wir haben die letzten Wochen auf der Straße verbracht und im Busch gecampt. Sind jeden Abend auf der Suche nach einsamen Nachtplätzen durch Matschlöcher gestapft. Wir kochen über dem rußigen Lagerfeuer, waschen uns meist mit kaltem Wasser und unsere Toilette besteht aus einer Rolle Klopapier und ner Schaufel. Die Leute, die wir kennenlernten waren Holzfäller in harzigen Arbeitsklamotten, Pipeline-Bauarbeiter, die Nico und Martin stolz ihre 6x6-Maschinerie vorgeführt haben oder die lustigen Muddies, die in den Dörfern vor ihren kleinen, bunten Holzhäusern Gemüse, Honig und Pilze verkaufen.

In Moskau ist ein Gebäude imposanter als das nächste. Goldene Zwiebeltürme glänzen in der Nachmittagssonne und werden dabei noch von den Brillianten der aufgedonnerten Russinnen überstrahlt, die in Nobel-Cafés Champagner schlürfen. Touristen erschlagen sich fast mit monströsen Kameraobjektiven oder donnern einem ein Tablet vor den Kopf, mit dem sie den Kremel fotografieren, während sie das I-Phone am Ohr haben. Männer führen Mädels aus, die unsicher in High-Heels über den roten Platz tippeln und noch unsicherer lächeln. Die, die das nicht mehr nötig haben, steigen aus Strech-Limousinen und schleifen weiße Hochzeitskleider übers Pflaster vor dem Mausoleum. Und die, die das schon lange hinter sich haben, stehen nun gackernd mit ihren aufgeblasenen Lippen und T**** am Kaviar-Stand vor dem GUM.
Dazwischen schlendern wir also rum, nachdem Nico unseren Shorty zielsicher zwischen all den prächtigen Bauwerken hindurch navigiert und vorm Kempinski abgeparkt hat. Ein paar Glitzerpailletten sind noch ein meiner Jacke, mein 2nd Hand Shirt ist von Esprit und wir haben auch ein Kameraobjektiv. Das muss reichen, um ein paar Stunden in der Dekadenz dieser tollen Stadt zu schwelgen.

 

Was wir mitnahmen, als wir die Stadt am frühen Abend durch den Stau an IKEA und OBI verließen, waren all diese Eindrücke, zu viele Fotos und ein bisschen Rosenduft von der Seife in der schicken GUM-Toilette.

20. August 2012 – Drama Russland?


Vor Reisebeginn dachten sicher alle, inklusive uns, dass Russland das Potential für die schlimmsten Dramen haben würde. Stattdessen wurden wir in Indonesien fast abgeführt, weil wir illegal im Land waren, in China haben wir uns 20 Tage mit der Zoll-Bürokratie auseinandersetzen müssen und in der Mongolei haben wir uns ohne Ausweispapiere aufgehalten, weil wir auf unkonventionellem Wege neue Russen-Visa besorgen mussten.

 

Es tut mir leid, aber von Russland gibt es bisher keine Horrorstories zu erzählen. Wir wurden weder von blutrünstigen Mückenschwärmen aufgefressen noch von korrupten Bullen eingekerkert. Die paar Mücken werden wir ganz gut mit australischem „Bushman“-Spray los und in den zwei Routine-Kontrollen, in die wir bisher gekommen sind, haben uns die Polizisten schnell weiter gewunken, nachdem wir ordentliche Papiere vorgezeigt hatten und sonst „ne panimaju“-„nix verstehen“.
Nun gut …. gerade als ich diesen Artikel zusammengestellt habe, mussten wir leider doch Bekanntschaft mit einem nicht so entspannten Polizei-Genossen machen. An einer neu gebauten Straßenkreuzung mit verwirrender Beschilderung hat er uns aufgelauert, als wir über eine durchgezogene Linie gewendet haben. Uns wurde die Wahl gelassen, entweder bis Montag auf ein Verfahren für die Ordnungswidrigkeit zu warten (es war Samstag) oder gleich zu bezahlen. Die Höhe der „Strafe“ stellte sich als verhandelbar heraus. Um 1000Rubel erleichtert, bekamen wir am Ende unsere Papiere zurück und durften weiter fahren, während der Polizist sich wieder neben der unerlaubten Wendeschleife postierte. Uns ärgern dabei nicht einmal so sehr die umgerechnet 35Dollar, sondern vielmehr die Tatsache, dass wir gern alle Russland-Vorurteile über korrupte Polizeibeamte widerlegt hätten.

 

Aber an sonsten ist unsere Reise durch Russland tatsächlich planmäßig und entspannt. Wenn wir etwas unterschätzt haben, dann vielleicht die Entfernungen. Wir müssen pro Tag mindestens 330km fahren, um die Staatsgrenze mit Ablauf unseres Visums zu erreichen. So fahren wir jeden Tag lange Stunden, nur um am Abend festzustellen, dass wir uns auf der riesigen Russland-Karte nur wenige cm weiter bewegt haben. Doch der Weg ist das Ziel und am Wegesrand liegen weite Wälder und Felder und niedliche Blockhaus-Siedlungen.

 

Die einzigen wirklichen Dramen spielen sich in Russland eher in unsern Köpfen ab. Denn mit jedem langgezogenen Kilometer auf russischen Straßen kommen wir Deutschland näher und haben Zeit, über den Wiedereinstieg in den Alltag zu Hause nachzudenken. Da fragt sich schon fast, was das schlimmere Übel ist, solche Szenarien durchzuspielen oder die Polizeikontrolle, die einen aus diesen Gedanken rausreißt.

10. August 2012 – Black Beauty badet im Baikalsee


Es war gar nicht so einfach, vom Baikalsee aufzubrechen. Nicht nur, dass man einen so schönen Platz ungern verlässt, nein, wir haben auch fast noch unser Auto im See versenkt.

Das Camp war abgebaut und während Nico wendet, mache ich noch ein paar Bilder vom Auto am See. Komisch nur, dass das Auto dem See immer näher kommt, der heute übrigens mit wilden Wellen gen Ufer peitscht. „Komm doch, wir wollen los“, winke ich Nico, der Gas gibt und damit halb in den Baikalsee rutscht. Black Beauty ist Kieselsteinchen einfach nicht gewöhnt und hat sich mit den Vorderrädern im See stehend im Kieselstrand eingegraben. Also graben wir sie wieder aus und der Tigerbus gibt uns einen Ruck, nur um dabei auf der anderen Seite in den Matsch zu sinken. Sprich: Tiger zieht Black Beauty aus dem See, Black Beauty zieht Tiger aus dem Matsch und dann können wir auch mal los.

09. August 2012 - Stephanie badet im Baikalsee


Als wir am Morgen aus dem Dachzelt auf den See blicken, verdecken dicke graue Wolken den Blick aufs mehr als 50km entfernte, gegenüberliegende Ufer. Also einfach weiter schlafen, bis der Nieselregen aufhört.
Bratstullen zum Früh- ähm Spätstück und als dann die Sonne raus kam, hab ich meinen Bikini hervor gekramt. Der Sonnenschein und das klare Wasser sind einfach zu einladend. Aber er ist ganz schön kalt, dieser sibirische See. Mehr als ein paar Züge schwimmen schaff ich nicht, aber ich war drin, im berühmten Baikalsee.

08. August 2012 – zu Hause am Baikalsee


Seit 4 Tagen campen wir entweder am Ufer der Selenga oder des Baikalsees und immer meint Sarah, das nächste Camp könne nicht schöner werden als das letzte. Doch sie wird jedes Mal eines Besseren belehrt. „Am Ufer“ bedeutet übrigens, „direkt am Wasser“ und zwar ohne dabei Gefahr zu laufen, als Krokodilsnack zu enden. Das ist ein schon fast gewöhnungsbedürftiger Unterschied zu unseren Camps die vergangenen 2 Jahre in Australien.

Zwischendurch haben wir ein paar Sachen im Supermarkt in Ulan Ude eingekauft. Das erste Mal seit Ewigkeiten gab es wieder ordentliche (wenn auch nicht gerade günstige) Salami. Fürs Gemüse haben wir einfach angehalten, als wir ein kleines Tischchen mit 2 Eimern Kartoffeln am Straßenrand stehen sahen. Die Babuschka kam sogleich mit einem breiten, freundlichen Lachen aus dem Garten und hat uns noch einen riesigen Bund frisch geerntete Kräuter (Petersilie, Lauch und Dill) zu unseren Kartoffeln dazu gegeben, bevor sie uns mit einem „geht mit Gott“ verabschiedete.

Gestern haben wir den Baikalsee erreicht. Groß und blau wie ein Meer erstreckte er sich zuerst hinter Wäldern und kleinen Ortschaften, bis wir abgebogen sind, um an sein Ufer zu gelangen.
Das klare Wasser plätschert friedlich über den Kieselstrand. Ein Stückchen landeinwärts hinter grünen Wiesen und vor bewaldeten Bergenketten rattert die transsibirische Eisenbahn.
Hier bleiben wir, genau hier, am Kieselstrand, irgendwo am Süd-West-Ufer des Baikalsees.

Als erstes müssen die Frauen Wäsche waschen und die Männer eine Wäscheleine bauen. Angeschwemmtes Feuerholz liegt zurück überall rum. Dann kommen Koch- und Backtöpfe am Lagerfeuer zum Einsatz. Kartoffeln schälen, Kuchen backen, Pudding kochen, das volle Programm mit dem Baikalsee vor der Haustür.
Keine Rucksacktouristen mehr, wie in Bali. Keine Parkplatzcamps wie in China. Kein Visastress im Hinterkopf, wie in der Mongolei. Jetzt sind wir einfach nur am Baikalsee und ganz in Ruhe auf dem Weg nach Hause.

Kartoffelkauf bei der lieben Babuschka
Kartoffelkauf bei der lieben Babuschka

07. August 2012 – schon fast zu Hause?!


Seit März sind wir mehr oder weniger auf vielen Umwegen und mit einigen Wartezeiten auf dem Weg nach Hause. Doch erst heute hatte ich das erste Mal das Gefühl, wir nähern uns der Heimat. Und das obwohl Sibirien mehr als 8000km davon entfernt ist und es mir früher immer vorkam, als wäre es unerreichbar weit weg.
Doch die Wälder hier sind Nadel- und Birkenwälder und nicht wie die letzten 27 Monate Eukalyptus-, Regen-, Palmen- oder gar-keine-Wälder. In den Supermärkten oder Kaufhallen, finde ich wieder Produkte, mit denen ich was anfangen kann und muss es nicht mehr wie in Indonesien oder China einheimischen Köchen überlassen, mysteriöse Zutaten zu leckeren Mahlzeiten zusammenzustellen. Die Holz-Häuschen sehen aus wie in den russischen Märchen aus Kindertagen. Und die lachende Babuschka, bei der wir auf dem Weg zum Baikalsee Kartoffeln gekauft haben, hat mich so sehr an meine eigene Babuschka (Omi) erinnert. Ich kann einfach nicht leugnen, dass ich ganz langsam den Eindruck habe, zurück zu kommen. Offenbar waren wir bisher einfach noch viel weiter weg, als nur Sibirien und von nun an ist es ein Katzensprung bis nach Hause.

06. August 2012 – Formalitäten erledigen und los


Wir sind zwar am Sonntagabend schneller als gedacht nach Russland eingereist, aber weiter ging erstmal noch nicht, denn dafür brauchen wir Rubel und KFZ-Versicherung. Also schlagen wir unser Camp im Grenzort neben einem leerstehenden Blockhaus auf, um unser letztes mongolisches Telefon- und Internetguthaben aufzubrauchen und Montag Morgen alles zu erledigen.
Das leerstehende Haus, stand übrigens gar nicht so leer, wie wir dachten, sondern wurde von der Dorfjugend als Treffpunkt genutzt. Irgendwann haben sich die Jungs auch getraut neugierig gucken zu kommen, wer wir sind und was wir machen. Doch so freundlich wie die Menschen, waren uns das russische Wetter und die Mücken leider nicht gesonnen. Meistens mussten wir uns vor surrenden Blutsaugern oder plätschernden Regentropfen verkriechen.

Aus den Erledigungen, die wir Montag Morgen machen wollten, wurde am Ende Montag Nachmittag. Aber das machte nichts, denn weil wir Martin mit 1a Sprachkenntnissen dabei hatten, ging die Organisation von Geld und Versicherung ungefähr 100mal schneller, als Nico und ich alleine dafür gebraucht hätten. Ohne Russischkenntnisse wäre es wirklich schwierig gewesen, in der Bank die richtige Nummer zu ziehen, und Geld umzutauschen, geschweige denn ein Versicherungsbüro im Ort zu identifizieren und die Papiere auszufüllen.
Wir haben aber auch ein Glück. Irgendwie hat es sich jedes Mal ergeben, dass wir bei heiklen Grenzüberquerungen und Einreise jemand zur Seite hatten, der die Sprache konnte.

Suppenküche an der Selenga
Suppenküche an der Selenga

Als wir die Regenwolken am späten Nachmittag ein paar Kilometer hinter uns gelassen haben, biegt der Tigerbus an der Selenga links ab und steuert zielsicher auf das erste wunderschöne russische Fluss-Camp zu, wo wir in der Abendsonne Gallina Blanka Nudelsuppe kochen.

Die kommenden Tage geht es weiter Richtung Baikalsee.

05. August 2012 – Straswudje Russia!


Die letzte Zeit schien es, als ob uns Russland nicht vergönnt sein würde. Unser eigentliches Russland-Visum war nach den Verzögerungen in China abgelaufen. Und es war alles andere als einfach, aus dem Ausland ein Neues zu beantragen. Dafür mussten die Pässe nach Deutschland geschickt werden, hingen zwischenzeitlich im Deutschen Zoll fest und dann wurde unsere Pass-Kuririn Sarah nicht wieder in die Mongolei gelassen.

Doch am späten Sonntag-Nachmittag sind wir mit Pass inkl. gültigen Russland-Visa an der mongolisch-russischen Grenze und sind ein bisschen nervös.


Wir hatten im Vorfeld schon so viel mit Behörden, Autoritäten und Bürokratie zu kämpfen und gerade das soll ja in Russland am schlimmsten sein. Dementsprechend sind wir also auf langwierige Grenzkontrollen und ruppige russische Beamte gefasst. Doch diese Erwartungen werden total enttäuscht.
Vielleicht war es auch ganz praktisch, dass wir heute Morgen wie immer später als gedacht in die Startlöcher gekommen sind und damit erst kurz vor Feierabend am Grenzübergang waren. Wie auch immer, der Grenzübergang Altanbulag-Khyaht ist der entspannteste, den wir auf unserer ganzen Reise erlebt haben. Wir sind die einzigen, die aus der Mongolei aus- und nach Russland einreisen. Ein holländischer Reisender kommt uns entgegen und wir tauschen kurz Reisetipps aus, während die Grenzbeamten ihren Job machen. Dummerweise hab ich noch mein kleines französisches Taschenmesser in der Handtasche, aber es interessiert wirklich niemanden, dass der Metalldetektor anspringt, als ich zur Passkontrolle durchgehe. Dann dauert es ein paar Minuten, bis Martin und Nico den Papierkram für den Export der Autos fertig haben. In der Zwischenzeit führt ein gelangweilter Zollbeamter Sarah und mir ganz stolz vor, wie gut sein deutscher Schäferhund erzogen ist.
Der nächste Schäferhund begegnet uns am russischen Zoll. Er schnuppert durch unsere dreckigen Socken, findet aber weder Drogen noch Sprengstoff und so dürfen wir weiter und der Schnuffi-Hund mit seinem Frauchen in den Feierabend.
Beim Ausfüllen der kyrillischen Zollpapiere für unser Auto ist eine freundliche Dame mit perfektem Englisch zur Stelle. Damit geht Nico dann weiter ins Büro. Ich soll in der Zwischenzeit für einen anderen Zoll-Gutachter nochmal die Motorhaube öffnen und denke, er fragt mich nach der Rahmennummer. Aber falsch, sein Interesse war gar nicht beruflicher Natur, er fand nur einfach unser Auto interessant und wollte was über Motor und Serie wissen. Martin konnte ihm zum Glück auf Russisch antworten, ich hätte es nicht mal auf Englisch oder Deutsch gekonnt.

 

So einfach ist man in Russland. Statt ewigen Grenzkontrollen und schlecht gelaunten Beamten, konnten wir selbst einen erst grimmigen mongolischen Grenzbeamten zum lächeln bringen und ne reichliche Stunde später winken uns die russischen Zollmädels Doswidanja.