Bali, Indonesien 2012


15.04.2012 – schwarze und bunte Strände


Die letzen Tage auf Bali haben wir noch einmal damit verbracht, uns hoffnungslos zu verfahren.

 

Eine alte Dame hat uns den Weg zum Tempel Luhur Batukau erklärt und gleich noch die ganze Familiengeschichte erzählt, als wir in ihrem kleinen Geschäft eine Cola getrunken haben. Zumindest glauben wir das, wir haben kein Wort von dem verstanden, was sie uns aufgeregt erzählte.

 

Eine andere tagesfüllende Aufgabe war es, einen Weg ans Meer westlich von Tanah Lot zu finden. Auf diese Weise sind wir durch wunderschöne Dörfer gekommen, die touristisch total unberührt schienen. Alle Heim-Tempel waren in tadellosen Zustand, bunt und golden verziert, und die älteren Damen trugen traditionell nur einen Sarong.

Endlich am Meer angekommen, standen wir auf dem schwärzesten Sand, den ich je gesehen habe.

 

Ein paar Tage später, den Abend vor der Abreise dann das Kontrast-Programm. Wir haben uns Kuta/Legian/Seminyak angetan, weil es unweit vom Flughafen ist und wir den „australischen Ballerman“ auch mal gesehen haben wollten. Hier ist so gut wie nichts von dem Bali wiederzufinden, das wir die letzten 4 Wochen erkundet haben. T-Shirt-Märkte, DVD-Stände, internationale Restaurants und australische Kneipen, die Leute tragen keine Sarongs, sondern Bintang-Shirts, alle sprechen Englisch und die Preise sind ebenfalls fast wie in Australien. Der berühmte 66 Beach ist hübsch für Touristen hergerichtet, eine entspannte Atmosphäre, aber eigentlich könnte er überall auf der Welt sein.

Nichtsdestotrotz schwimme ich noch ein paar Züge am Strand von Kuta und wir nehmen einen Drink auf einem gemütlichen bunten Sitzsack am Strand von Seminyak, bevor wir Bali am nächsten Morgen verlassen sollen.

13.04.2012 – Tanz auf dem Vulkan                                        (Bilder hier)


Es ist stockdunkel, nur mit einer Taschenlampe bewaffnet setze ich einen Fuß vor den anderen auf dem holprigen Weg und kann im Dunkeln zum Glück nicht sehen, wie weit das Ziel noch weg ist, außerdem ist es um 2.30Uhr noch zu früh, um darüber nachzudenken.
Etwas später, auf 1750m Höhe angekommen, erhellt das erste Tageslicht die Szenerie. Den Batur See zu unseren Füßen, den Mt. Agung und Mt. Agang vor uns, Lavafelder und Dampfwolken. Wir sind auf dem Mt. Batur, einem aktiven Vulkan.
Nico hat mich überzeugt, mitzukommen und ich habe es ganz und nicht bereut. Der Aufstieg zu nachtschlafender Zeit war zwar nicht so ganz nach meinem Geschmack, aber der Morgen auf dem Berg dafür um so schöner. Wir verbringen einige Zeit damit, den Krater zu umwandern und den Ausblick zu genießen, die Affen zu beobachten und die Löcher zu untersuchen, aus denen überall warmer Dampf aufsteigt, der so heiß ist, dass man Eier darin kochen könnte.
Nochmal eine ganz andere Seite, die wir so kurz vor unserer Abreise von Bali kennenlernen.

die Fähre nach Lembongan
die Fähre nach Lembongan

10.04.2012 – mit dem Kahn nach Lembongan                        (Bilder hier)


Die Einheimischen schauen uns skeptisch an und fragen, ob wir wirklich mit dem öffentlichen Boot zur Insel Lembongan wollen und nicht mit einem der vielen Touristen-Schnellboote.
Der bunte (zumindest da wo die Farbe noch nicht abgeblättert ist), traditioneller Holz-Kutter liegt am Strand von Sanur vor Anker und wird mit Möbeln, Wasser und allen möglichen Gütern beladen, die die Einheimischen durchs Wasser zum Schiff tragen und hochreichen. Einen Steg gibt es nicht. Um 8 Uhr ist planmäßige Abfahrt der „Fähre“. Gegen halb neun waten auch wir durchs Wasser und entern den Kahn, um auf Holzbrettern sitzend zur Insel überzusetzen.


Etwas später am Tag haben wir wieder einen Roller, wieder ohne Mietvertrag und Führerscheinvorlage und diesmal auch ohne Helm, da es auf der Insel keine Polizei gibt, wie man uns erklärt. Am Abend haben wir Nusa Lembongan und einen Teil der Nachbarinsel Caningan umrundet und durchquert. Doch leider hatten wir nicht bedacht, dass die kleinen Inseln über Ostern mit viel zu vielen australischen Kurzurlaubern überbevölkert sein könnten. Dies verdirbt uns den Aufenthalt an den an sich hübschen Buchten mit glasklarem Wasser ein wenig und wir verweilen nicht allzu lange dort.

Essen in Bali – wie man landestypische Küche und Weltenbummler kennenlernt


Bali mag vor allem im Süden ansprechende Resorts und All-Inclusive-Anlagen haben, ich finde es jedoch einfach ideal, individuell und unabhängig hier zu reisen. Auf diese Art gibt es auf der verhältnismäßig kleinen Insel so viel zu entdecken und zu lernen.
Wie wir unsere Unterkünfte finden, habe ich ja bereits mehrmals beschrieben. Doch vielleicht fragt ihr euch auch, wo und was essen sie in Bali eigentlich?

Sofern wir mit einem Roller mobil sind, essen wir meistens in kleinen Lokalen, Warungs, am Straßenrand, auf Märkten oder irgendwo in der Stadt. Hier kann man den Köchinnen über die Schulter gucken oder sitzt mitunter halb in der Küche.
Das einfachste ist Nasi Goreng, Mie Goreng oder Cap Cay (gebratener Reis, gebratene Nudeln oder Gemüse, meist mit Hühnchen), das gibt es überall und meistens schmeckt es überall anders, je nachdem, welche Soßen die Köchinnen verwenden.
Babi Guling (Spanferkel) findet man oftmals im ganzen Stück auf Märkten. Zu einigen Scheiben Schwein gibt es Reis und Sambal (scharfe Soße).
Aber ich liebe vor allem die mobilen Bakso- oder Mie-Ayam-Stände. Auf Wagen oder Motorroller montiert, hat in den mobilen Suppenküchen alles seinen Platz. Ein großer Topf für die Hühnerbrühe, über der die Fleischbälle (Bakso) dünsten ist meist in die winzige Arbeitsfläche eingelassen und in einem Schränkchen werden weitere Zutaten (Gemüse, Gewürze, Nudeln) und Geschirr verwahrt.
In Munduk hatten wir Sate Ayam (über Holzkohle gegrillte Hühnerspieße) mit der besten Erdnusssoße, die ich je gegessen habe. Auf der Fahrt von Munduk nach Amed wollten wir dann gleich nochmal Fleischspieße essen. Unser Taxifahrer hält also an einem Stand, kommt aber gleich mit verzogenem Gesicht zurück und fragt (glücklicherweise), ob wir Hund essen wollen, er jedenfalls nicht – das war knapp (obwohl ich fürchte, dass wir in ein paar Monaten in China nochmal in diese Verlegenheit kommen könnten). 

In manchen Warungs stehen die Spezialitäten auf Schüsseln und Tellern drappiert im Fenster. Dann bestelle ich am liebsten Nasi Campur, „Reis mit allem“ und bekomme eine Auswahl von den … ähm … Sachen, aus den Schüsseln im Fenster, je nachdem welches Gemüse gerade Saison hat und ob gerade ein Schwein oder Huhn dran glauben musste. Das kann manchmal ziemlich scharf sein und auch Schwarte und Innereien beinhalten, was mich aber nicht weiter stört, solange es schmeckt (und man vor lauter Schärfe noch ein bisschen was schmecken kann).
Mitunter haben wir uns auch schon in ein Warung gesetzt und noch während wir gegrübelt haben, wie wir uns nun verständlich machen können, hatten wir das Tagesmenü vor uns stehen, das, was an dem Tag in dem Warung jeder bekam, mal ein Nasi Campur, mal Schweinespieße (ich hoffe einfach mal, es war Schwein) und eine Art Currysuppe, dazu immer Reis.

Eine Hühnernudelsuppe (Mie Ayam) oder Bakso-Suppe kostet in der Regel 5000 Rupiah für die Einheimischen (50 Cent) und wenn sie 10.000 Rupiah, also einen Dollar, von uns Touristen verlangen, ist das auch okay. Bisher wurden wir nur einmal, richtig reingelegt und haben für zwei gebratene Hühnerstücke mit Reis und zwei Getränken 80.000 Rupiah bezahlt. Es ist also immer besser, gleich am Anfang zu fragen „berapa harga“ (wieviel kostet…?).

 

Wenn wir keinen Roller haben und in touristischeren Restaurants landen, ist das Schöne, dass wir kaum ein komplettes Essen unter uns verbringen und uns meistens ewig mit der Bedienung oder anderen Reisenden unterhalten.
In Ubud waren wir fast schon Stammgäste bei Canderis. Das Warung wurde im Buch „Tell them to get lost“ erwähnt, da Ibu Canderi es bereits in den frühen 70ern eröffnet hat, als Ubud noch keine asphaltierten Straßen und keine Elektrizität hatte. Kaum waren wir da, begrüßte auch uns die kleine 79jährige Dame Ibu Canderi. Sie und ihre jungen Kellnerinnen hatten immer für ein Schwätzchen Zeit und konnten uns erklären, wie wir unsere Sarongs binden sollen oder was „sehr lecker“ auf indonesisch heißt (enak sekali).
Wenn wir in Ubud nicht bei Ibu Chanderi waren, waren wir bei Rai im YummyYummy. Rai hat 7 Jahre in den USA gearbeitet und konnte uns bisher am besten die Unterschiede zwischen der westlichen Welt und seiner Heimat erklären.
In Amed haben wir mit einem US amerikanischen Pärchen auf Weltreise Abendbrot gegessen, die meinten, dass Vietnam die schönsten Strände und Indonesien die freundlichsten Leute hat. Einen Tag später trafen wir Bebe aus China und Robin aus Kanada, die quasie auf Hochzeitsreise waren, nachdem sie sich in Vietnam kennengelernt hatten und später in China geheiratet haben. Bebe hat uns ganz aufgeregt einige Tipps für China geben können. Einen anderen Abend saß am Nebentisch ein Paar aus Bruno, denen wir wiederum Tipps für Australien geben konnten.
Die Liste können wir mit dem französischen Pärchen in Padang Bai fortführen, mit dem wir uns schon beim Frühstück verquatscht haben, weil auch sie eine Weile in Australien waren und ich denke das wird nicht das letzte Treffen mit anderen Weltenbummlern gewesen sein.

Bis auf Ibu Canderi waren übrigens alle unsere Gesprächspartner in unserem Alter.
Es ist interessant, Erfahrungen auszutauschen, Tipps zu bekommen, über gleiche Eindrücke übereinzustimmen oder einen Einblick in andere Sichtweisen zu bekommen und dies fast jeden Tag aufs Neue. Eine Sache, die ich zu Hause ganz sicher vermissen werde.

07.04.2012 – Sidemen                                                             (Bilder hier)


Sidemen zieht sich in den östlichen Bergen entlang des Agung Flusses und ist noch ursprünglicher als Munduk und so gut wie gar nicht für Touristen aufpoliert. Die Hauptstraße ist löchrig und holperig, es gibt einen kleinen Markt am Morgen und einige Geschäfte, die mal geöffnet, mal geschlossen haben. Einige kleine Webereien bieten prachtvolle Stoffe an und es gibt einen einzigen Anbieter für Mopeds und ein paar Touristenaktivitäten im Ort, I Ketut Jana, der seine Monopolstellung jedoch keinesfalls ausnutzt und bei dem wir später fair und freundlich unseren Roller mieten sollen.

Die wenigen Touristen verstecken sich überwiegend im Umland von Sidemen in schicken Luxusvillen mit Reisfeld- und Bergblick, was bei uns allerdings erstmal Bedenken weckt, ob wir mit unserem Maximum von 15Dollar pro Nacht hier überhaupt eine Bleibe finden.
Aber wir gehen wieder nach dem Munduk-Prinzip vor, Tee trinken und ausschwärmen. Ich habe mittlerweile ein ganz gutes Händchen für hübsche Homestays entwickelt und finde in einer kleinen Gasse in der Stadt eine liebenswerte Familie, die in ihrem hübschen Garten mit Tempel ein Gästezimmer anbietet, Krishna House Homestay. Das Dilemma ist nur, dass Nico am Ende der Straße eine traditionelle Villa mit privatem Pool und Ausblick aufgetan hat, für die wir unser Budget nur um ein paar wenige Dollar aufstocken müssten. Bei noch einer Tasse Tee lassen wir den Blick über die Reisfelder schweifen und beschließen, wir machen einfach beides: eine Nacht bei der Familie im Ort und dann gönnen wir uns einfach mal einen privaten Pool und eine Villa, die so groß ist, wie Nico’s Berliner Wohnung.

An unserem ersten Abend in Sidemen erklimmen wir die steilen Treppen zum Tempel Pura Bukit Tegeh, dessen Silhouette wir vom Tal aus gesehen haben. Junge Männer haben den Tempel bereits für die morgigen Vollmondzeremonien geschmückt und stellen nun entlang des Aufstieges riesige Bambusstangen auf, die mit Bananen- und Bambusblättern sowie Blüten und Früchten kunstvoll verziert sind. Sie werden jedoch sogleich von zig Affen geplündert und auseinandergerupft, die hektisch zurück in die Büsche springen, als wir kommen.
Am nächsten Morgen sind Papa und Kinder unserer Gastfamilie bereits in traditionelle Gewänder für die Zeremonien gekleidet, als sie uns verabschieden und wir haben ein schlechtes Gewissen, dass wir nur einen Kilometer weiter ziehen. Doch in der Villa Cepik freut sich unsere neue Wirtin ebenso, dass wir wiedergekommen sind und gibt uns den Schlüssel für das Vorhängeschloss ab einer breiten Flügeltür zu unserm Appartement. Unsere Gastgeberin erzählt uns, sie hätte früher in einem großen Hotel gearbeitet. Weiße Gebäude mit vielen Zimmern passen gar nicht nach Bali, aber vor allem die deutschen Touristen wollen da wohnen, meint sie. Ihr Mann hat die zwei Gästevillen hier im traditionellen Baustil entworfen und vor 14 Jahren gebaut, als es kaum Fremdenzimmer im Ort gab. Nun lebt die kleine Familie gut davon, die beiden Villen an Reisende zu vermieten, auch wenn mittlerweile einige Villenkomplexe um Sidemen herum gebaut worden sind. Doch das Schöne an der Villa Cepik ist, dass sie trotz des Komforts einer Luxusvilla so privat wie ein Homestay ist.

03.04.2012 – eine andere Welt                                               (Bilder hier)


Ich schwebe noch ein wenig unbeholfen mit Atemregler im Mund in einer anderen Welt. Es gibt keine Sprache als Kommunikationsmittel und mein Körper, vor allem meine Ohren, brauchen noch ein bisschen, um sich an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen. Vor mir tut sich ein tiefer dunkelblauer Abgrund auf, neben mir ragt der Bug eines einstigen Kriegsschiffes bedrohlich in die Höhe und scheint mich erdrücken zu wollen. Ich schwebe um ihn herum, hier dringen die Sonnenstrahlen durch die Wasseroberfläche zu mir hinab und reflektieren in den tanzenden Luftblasen anderer Taucher während tausende bunte Fische um mich herum flattern. Die kaputten Überreste der USAT Liberty sind gespenstisch, doch so gruselig sich das Skelett des Schiffes auftut, so fröhlich wird es von Korallen und Fischen bewohnt, von denen uns viele neugierig in ihrer Welt willkommen heißen.
Es ist meine vierte und fünfte Tauchstunde in Tulamben, nachdem ich gestern durch den Korallengarten und entlang des Drop Off getaucht bin. Später am Tag werde ich noch den Theorietest bestehen und von Tauchlehrer Made meinen Open Water Tauchschein überreicht bekommen. Ebenso wie Nico, der nach einigem Zögern doch ins Meer gegangen ist und es, abgesehen von der Unzufriedenheit über seine noch mangelnden Navigationsfähigkeiten im neuen Element, tatsächlich gut findet.

29.03.2012 – ab in den Osten                                                 (Bilder hier)


Nach einem wunderschönen Tag in den Bergen, wo die Bergluft zwar erfrischend kühl war, die Sonne aber den See und den farbenfrohen Pura Ulun Danu Bratan Tempel darin glitzern ließ, hängen wieder ein paar mehr Wolken den Himmel. Wir ziehen also weiter, diesmal Richtung Osten.
Munduk hat leider einen Nachteil, im kleinen Bergstädtchen gibt es nur private Fahrer, die horrende Preise aufrufen. So müssen wir für die Fahrt von Munduk nach Amed das Doppelte vom dem berappen, was Amed-Munduk kosten würde, aber naja!

In Amed finden wir eine kleine Hütte mit Halb-Open-Air-Badezimmer und Hängematte. Beim Frühstück bekommen wir den Schlüssel für unseren nächsten Roller, mit dem wir über die östliche Landzunge Balis düsen.
Hier reichen die Hügel und halbhohen Berge bis ans blaue Meer. Die kleinen Fischerdörfer erscheinen weitgehend unberührt. Auf den Straßen flicken Männer Fischernetze, Frauen trocknen Reis, Mais und Erdnüsse, allerlei Geflügel und Hunde rennen darauf herum und Kinder klatschen uns ab, wenn wir langsam vorbeituckern. Kühe, Schweine und Ziegen sind überall in kleinen Verschlägen untergebracht oder im Busch angepflockt. Unsere Runde führt vorbei an Reisterrassen zwischen Bergen, dem Wasser-Palast der Königsfamilie (eine schöne Abwechslung zu all den Tempeln), durch Amlapura, eine super saubere und hübsche Stadt, wo wir Eis essen und zurück entlang der Küste, wo Jukungs (traditionelle Boote) in kleinen Buchten liegen oder mit ihrem eigenartigen falsch herum aussehenden, bunten Segel über den Ozean gleiten.

26.03. 2012 – ohne Plan nach Munduk                                 (Bilder hier)

 

Wir sind am Sonnabend planmäßig in Ubud aufgebrochen, hatten vorbildlich eine Unterkunft in Lovina und einen Shuttle-Bus da hin gebucht. Wir waren die einzigen Gäste im „Bus“ (der mit nur 2 Fahrgästen ein Auto war) und die Fahrt daher nicht so abenteuerlich, wie im letzten Jahr die von Ubud nach Sanur. In Lovina haben wir an einem kleinen Fischer-Strand gewohnt und sind mit einem Roller Richtung Westen gefahren, wo die Reisfelder bis an den Strand reichen und sich dahinter grün bewachsene Berge auftun.

Fazit dieser Tour: 1 kaputte Sonnenbrille, 1 verlorengegangene Straßenkarte (was keinen Unterschied gemacht hat, wir wussten sowieso nie, wo wir sind), tolle Eindrücke und Muskelkater in den Backen, und zwar in allen. Denen am Hintern hat der unbequeme Sitz vom Roller in Kombination mit den schlechten Straßen zugesetzt und die im Gesicht taten weh vom breiten Lächeln, das wir all den Kindern und Leuten in den Bergdörfern erwidert haben.

Eigentlich wollten wir noch ein paar Tage bleiben, doch dann haben wir nach dem Frühstück beschlossen, wir fahren nach Munduk. Die Wolken hingen nicht mehr so dicht in den Bergen und die Nachbarin meinte, da gäbe es schöne Homestays (Pensionen). Also alle Rucksäcke gepackt und unseren Schwerlasttransport per pedes in Bewegung gesetzt, diesmal ohne Plan und Buchungen. An der nächsten Ecke handeln wir den Preis mit einem halb-öffentlichen Kleinbus aus. Ein typischer dunkelblauer Minivan, der aussah wie alle anderen, als fiele er bald auseinander und die Seitentür immer offen, damit Fahrgäste schnell zu- und aussteigen können. Der Fahrer spricht kein Wort Englisch, aber bietet uns Früchte an (ich habe keine Ahnung was für welche, aber sie sind saftig und süß), er singt die ganze Zeit (wir haben seine Tageseinnahmen sicherlich gut in die Höhe getrieben) und er hält öfter, damit wir auch gute Bilder von den atemberaubenden Aussichten machen können.

Made Homestay, Munduk
Made Homestay, Munduk

Munduk ist nicht sehr groß, es gibt eine Hauptstraße und zwei Hotels, in denen die Zimmerpreise bei 80 US$ anfangen, aber auch noch ein paar Homestays, die ich erkunde, während Nico mit unseren viel zu schweren Gepäckklumpen in einem Cafe wartet. Die engere Auswahl inspiziert er, während ich einen Ingwertee trinke und Schwuppdiwupp, auch ohne Buchung und Plan bestens in Munduk an- und untergekommen (nicht für 80US$, sondern ca. 13Euro).
Nun sitze ich im „Made Homestay“ auf unserem Balkon und schaue über den Computerbildschirm hinweg auf hellgrüne Reisfelder, hinter denen sich bewaldete Berge auftun, über denen Zuckerwattewolken hängen. Aus dem Tal bellen Hunde, krähen Hähne und knattern Motorroller die engen Straßen entlang.

 

P.s.: Schon am Abend knattern wir mit, haben auf einem Hinterhof nebenan einen Roller bekommen, Preis ausgehandelt und losgefahren (kein Papierkram, kein Führerschein).

23.03.2012 – Nyepi, Tag der Stille nach einer rauschenden Nacht

(Bilder hier)


Es ist Nyepi, der balinesische Neujahrstag, Tag der Stille. Draußen muss es aussehen wie in einem Weltuntergangsfilm, Unrat und Asche der gestrigen Feierlichkeiten und Fegefeuer müssen durch menschenleere Straßen fliegen und am Abend wird kein Licht die Ortschaften erhellen. Doch wir werden es nicht sehen, denn wie jeder in Bali verbringen auch wir heute einen ruhigen Nyepi-Tag zu Hause und einen lauschig düsteren Nyepi-Abend. Es ist eine angenehme Tradition. Obwohl ich mir auch vorstellen kann, dass manch einer den stillen Tag nach dem rauschenden Fest am Vorabend ganz gut gebrauchen kann.

ein Ogoh Ogoh wird in einem Hinterhof gebaut
ein Ogoh Ogoh wird in einem Hinterhof gebaut

Vergangenes Jahr hatte ich in Bali bereits Skelette von Ogoh Ogohs gesehen, die langsam Gestalt annahmen. Gestern war nun der große Tag für die übergroßen Geisterfiguren, die in den letzten Tagen vollendet und kunstvoll geschmückt wurden, damit sie am Abend vor Nyepi in spektakulären Aufführungen und Umzügen durch die Straßen getragen und am Ende verbrannt werden können.
Bereits gestern Nachmittag veränderte sich Ubud. Viele Läden und Restaurants hatten bereits geschlossen, die Autos und Motorroller verschwanden langsam von den Straßen und die Ogoh Ogoh Figuren wurden aus Hinterhöfen und Tempeln auf die Straßen gebracht und auf Tragegestelle aus Bambusstangen montiert, während sich die Gruppen von Jungendlichen, die sie gebaut hatten einheitlich kleideten und schminkten. Wir finden ein kleines Warung (Restaurant), das noch Nasi Goreng und Tee serviert in einer Seitenstraße, wo mehrere Gruppen ihre Ogoh Ogohs fertig machen und die Musiker sich einspielen.

junge Mädchen und Jungs tragen die Ogoh Ogohs durch die Straßen
junge Mädchen und Jungs tragen die Ogoh Ogohs durch die Straßen

Doch so richtig geht es erst mit Einbruch der Dunkelheit in der Hanoman Straße los. Nun hauchen die Erschaffer und Träger ihren Ogoh Ogohs Leben ein, indem sie sie vorantragen, mit ihnen rennen, sie schaukeln und schütteln. So stampfen die riesigen Figuren über den Köpfen der Zuschauer hinweg und begleitet von Musikanten und Tänzerinnen die Straße entlang. Aus Lautsprechern plärren die Geschichten zu den Kämpfen, die sich die gruseligen Geister liefern, dazu einem Höllenlärm von traditioneller Percussion-, Gong- und Schellenmusik. Da verfolgt das haarige Monster der Jungs die gruselige Hexe der Mädels, ein grünes Gruselmonster kämpft gegen ein struppiges Horrorschwein, ein hässlicher Riesenbaby-Gnom grinst böse über die Szenerie und auch die ganz Kleinen haben kleinere Ogoh Ogohs, die sie stolz durch die Straße tragen.
Es ist Wahnsinn, wie aufwändig und kunstvoll die Figuren gestaltet sind, die Jungendlichen bekommen Spenden, um ihre Geisterskulpturen so zu bauen und zu schmücken. Um so schlimmer empfindet unsereins es, dass die Ogoh Ogohs nur ein kurzes Leben haben. Meist am letzten Tage fertiggestellt, werden sie am Abend in großen Fegefeuern verbrannt, um die bösen Geister, die sie darstellen zu zerstören. In einer Religion, die an Reinkarnation glaubt und dieses Spektakel Jahr für Jahr wiederholt, gehört das aber einfach dazu und ist Teil des großen Festes, bei dem wir gestern zu Gast sein durften.
In diesem Sinne: Selamat Hari Raya Nyepy 1934 – Happy New Year 1934! (wir schrieben das Hindu-Jahr 1934)

Frühstück im Warini Homestay
Frühstück im Warini Homestay

18.03.2012 – unser Tempel in Ubud           

(Bilder hier)


Es ist schwer, einen balinesischen Wohn-Tempel zu beschreiben, auch Nico konnte ich es nicht richtig erklären, als ich das losmen also Gästezimmer in einem privaten Home-Tempel für uns gebucht habe.
In einer belebten Hauptstraße in Ubud weist ein handgezeichnetes Schild auf unser Warini Homestay hin, wir folgen dem Pfeil durch eine kleine Gasse zu der Nico am Abend meint „wenn wir hier nicht wohnen würden, würd ich hier aber nicht lang gehen“, tatsächlich ist es jedoch ein wunderschöner Rückzugspunkt vom touristischen Ubud. Entlang der Gasse befinden sich mehrere imposante Familiengrundstücke, hinter kunstvollen Eingangsportalen breiten sich die grünen Gärten mit kleinen Wegen zu Schreinen und verschiedenen Räumen aus. An einem dieser Portale erwartet uns die junge Wirtin mit einem Kind auf dem Arm. Der (Heim-)Tempel ist ihr zu Hause, wo sie ein paar Zimmer an Reisende vermietet. Eine geschnitzte Flügeltür mit Vorhängeschloss führt von unserer Terrasse zum Zimmer mit Waschbecken und kleinem Bad. Die Dusche hat warmes Wasser und die Toilette auch eine Spülung und nicht nur einen Wassereimer mit Schöpfkelle, wie in Denpasar.
Als wir am Morgen aufwachen, steht Tee auf unserer Terrasse und bald gibt es Frühstück mit frischem Obst dazu. Für nicht ganz 10Euro die Nacht beschließen wir schnell, hier etwas länger zu bleiben.

17.03.2012 – Abreise Australien, Ankunft Indonesien (Perth – Denpasar)

(Bilder hier)

Wir sind gestern um 4.30Uhr aufgestanden, haben in Rockingham unser Auto bei der Verschiffungs-Agentur abgegeben und sind nun erstmal Backpacker. Haben die schweren Rucksäcke eine letzte Runde durch Perth getragen, unter den Palmen am Swan River kurz verweilt und ein letztes Cider in Australien getrunken.
Am Abend des 16.März 2012 bekomme ich von einer Zollbeamtin einen Stempel in meinen Pass: „Departed Australia, Perth Airport“, direkt unter den vom März 2010 „Arrived Darwin Airport“. Doch zu dem Zeitpunkt bin ich einfach zu müde, um die 2 letzten Jahre Revue passieren zu lassen oder über das Ablaufen meines Working Holiday Visas traurig zu sein und freue mich nur noch auf ein Bett in einem Hotel in Indonesien.

 

Denpasar 17.3.12, ich fühle mich gejetlagt, obwohl der Flug letzte Nacht nur reichlich 3 Stunden ging und ich mich in derselben Zeitzone befinde wie vorher. Es ist schwülheiß und mir wird schwindelig von dem nicht endenden Verkehrstrom, der bereits während des Frühstücks auf der Hotel-Terrasse an uns vorbeirauscht, als säße man auf einem Karussell. Lärmige Hotelangestellte haben mich viel zu früh geweckt und über den Tag entwickle ich eine Theorie, warum die Leute hier so laut sind. Denpasar ist laut und hektisch, wer hier lebt, muss all den Straßenlärm, Maschinengeräusche, laute Musik, Gepfeife und Gehupe irgendwie übertönen.
Brian Thacker hat es gut auf den Punkt gebracht, als er schrieb, es hätte ihn 10 Minuten und 10 Jahre seines Lebens gekostet, in Denpasar über die Straße zu gehen. Der Verkehr ist einfach unglaublich und die Straßen der Hauptstadt zu überqueren, kommt jedes Mal einem Selbstmordversuch gleich. Ich meine mehrspurigen Straßen, auf denen sich viel zu viele Fahrzeuge gleichzeitig entlang schieben. Zwischen überladene LKWs drängen sich hupende PKW und dazwischen unzählige Motorroller mit viel zu vielen Passagieren, manchmal ganzen Familien. Will man also auf die andere Straßenseite gehen, kann man versuchen die Fahrzeuge mit wilden Gesten zum Abbremsen zu bewegen. Manchmal muss man sich mit dem Verkehr zwischen den Fahrzeugen hindurch schlängeln. Wenn man mutig genug ist, einfach los zu laufen, teilt sich –hoffentlich- der Verkehrsstrom einfach um einen herum. Oder man hat Glück und findet man einen uniformierten Beamten, der mit einer Trillerpfeife versucht den Verkehr zum stoppen zu bringen und Fußgänger über die Straße geleitet.
Auf diese Art Erkunden wir also zu Fuß Bali’s Hauptstadt, besuchen die Märkte und gehen zum Abendessen zu KFC. Nein, natürlich nicht zu der der amerikanischen Fast Food Kette (die auch da gewesen wäre), sondern zu einer landestypischen Hühnchenbraterei, die man mit Kalasan Fried Chicken übersetzen könnte. Hier beenden wir unseren ersten Tag in Bali mit einem super leckeren, echt balinesischen Essen für umgerechnet 3Euro.

 

Auch wenn Denpasar hektisch und laut ist, so verdient es ein paar große Pluspunkte. Der erste wäre, dass es äußerst preisgünstig ist. Aber viel entscheidender: keine Touristen; dafür viele freundliche, lachende Einheimische, was die Stadt äußerst authentisch macht. Wir haben den ganzen Tag in den Straßen, auf den Plätzen, in den Märkten, Läden und Restaurants in Denpasar nur 5 Weiße (Westeuropäer, Australier, Nordamerikaner?) gezählt.